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«Berg hoch, Kopf frei»

Emilie Pulles ist seit zwei Jahren und acht Monaten Assistenzärztin in der Klinik Zugersee. Bald wechselt sie im Rahmen ihrer Weiterbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in den ambulanten Bereich. Im Gespräch erzählt sie, was sie zur Psychiatrie geführt hat – und warum ihr der tägliche Veloweg zwischen Unterägeri und Oberwil so viel bedeutet.

Emilie, du hast dich nach vielen Jahren Berufserfahrung für die anspruchsvolle Facharztausbildung in der Psychiatrie entschieden. Was hat dich dazu bewogen?

Nach dem Medizinstudium 1999 in Utrecht (NL) habe ich zehn Jahre klinisch gearbeitet. Dann bin ich mit meiner Familie in die Westschweiz gezogen und war dort lange im Coaching tätig – mit gesunden Menschen, die sich weiterentwickeln wollten. Es war erfüllend, aber irgendwann spürte ich: Da ist noch etwas anderes in mir. Etwas, das mich ursprünglich zur Medizin geführt hatte – der Wunsch, kranken Menschen zu helfen und sie wirklich medizinisch zu begleiten. So habe ich mich entschieden, die Facharztausbildung in Psychiatrie anzugehen.

Wie ist diese Weiterbildung aufgebaut?

Sie dauert fünf Jahre, dazu kommt ein sogenanntes Fremdjahr in einem anderen Fachgebiet. Die Ausbildung umfasst stationäre und ambulante Phasen, praktische Arbeit unter Supervision, interne Weiterbildungen sowie Kurse am Universitätsspital Zürich – und eine eigenständig zu absolvierende psychotherapeutische Ausbildung. Die Klinik Zugersee ist eine A-Klinik, das heisst, hier werden alle psychiatrischen Krankheitsbilder behandelt. Für die Ausbildung ist das ideal, weil sämtliche Pflichtinhalte an einem Ort abgedeckt werden können. Wir werden hier wirklich gut begleitet.

Was macht die Weiterbildung besonders anspruchsvoll?

Es braucht ein hohes Mass an Eigenverantwortung – wer den Facharzttitel anstrebt, muss die notwendigen Weiterbildungen weitgehend selbst organisieren. Die Plätze sind zudem begehrt, auch bei Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland. Das zeigt, wie attraktiv die Ausbildung in der Schweiz ist.

Du arbeitest täglich mit Menschen in akuten Krisen. Wie erlebst du diesen Alltag?

Wenn Patientinnen und Patienten zu uns kommen, befinden sie sich häufig am tiefsten Punkt ihres Lebens. Klare Strukturen und gezielte Schulungen helfen, Situationen richtig einzuschätzen und die Sicherheit aller zu gewährleisten. Was mich immer wieder bewegt, ist zu erleben, wie Menschen durch Medikation sowie Einzel- und Gruppentherapien wieder Stabilität finden und neue Perspektiven entwickeln. Das gibt einem wirklich viel zurück.

Wie findest du Abstand von dieser intensiven Arbeit?

Ich fahre jeden Morgen mit dem Velo – ohne Elektromotor – von Unterägeri nach Oberwil und abends wieder zurück. Diese Strecke mag ich sehr. Sie hilft mir, den Kopf zu lüften, und wenn ich zu Hause ankomme, habe ich den Tag meist schon verarbeitet.

Du wirst die Klinik Zugersee bald verlassen. Was wirst du vermissen?

Einiges! Die Lage ist wirklich aussergewöhnlich: der Zugerberg, der Wald, der Blick auf den See – bei jedem Wetter schön. In erster Linie werde ich aber das Team sehr vermissen, insbesondere die grosse Kollegialität und den fachlichen Austausch untereinander. Nach der ambulanten Weiterbildung und dem Facharzttitel werde ich voraussichtlich in die Klinik Zugersee zurückkehren.

Emilie Pulles befindet sich im dritten Jahr der anspruchsvollen fünfjährigen Weiterbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Die gebürtige Niederländerin lebt in Unterägeri/ZG und beginnt demnächst den ambulanten Teil ihrer Ausbildung.

Fachärztliche Ausbildung bei Triaplus

In der Klinik Zugersee und unseren Ambulatorien ist es möglich, die vollständige Weiterbildung zu folgenden medizinischen Fachtiteln abzuschliessen:

  • Psychiatrie und Psychotherapie (Erwachsene)
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Alterspsychiatrie und -Psychotherapie (Schwerpunkt)

Ebenfalls besteht die Möglichkeit, das medizinische Fremdjahr bei Triaplus zu absolvieren. Die ETH Zürich hat als externes Befragungsinstitut im Auftrag des schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) 2025 die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte zum Thema Weiterbildung befragt: